Herbst Musicaux 2026 nasce da una riflessione sul tempo: quello che scorre, quello che scegliamo e quello, irripetibile, dell’incontro musicale.

Nel mondo greco, il Tempo non era una realtà univoca. Chronos indicava il tempo nella sua successione lineare, quello che scorre e che possiamo misurare; Kairos, invece, era il tempo opportuno, il momento favorevole, l’istante nel quale qualcosa può accadere.

È una distinzione affascinante e non è l’unica. Viviamo immersi in Chronos. Misuriamo le giornate attraverso ore, appuntamenti, scadenze; organizziamo il tempo cercando continuamente di governarlo e, spesso, abbiamo la sensazione che non sia mai abbastanza. Kairos ci invita a guardarlo da una prospettiva differente: non chiede quanto tempo abbiamo, ma quale valore siamo capaci di riconoscere al momento che stiamo vivendo.

Da questa riflessione nasce KAIROS, l’edizione 2026 di Herbst Musicaux.

Un concerto esiste nel tempo e, nello stesso tempo, sembra avere la capacità di sospenderlo. Ogni concerto nasce da una combinazione che non può essere riprodotta: gli interpreti, il pubblico, il luogo, l’acustica, l’attesa, il silenzio. Tutto concorre a creare qualcosa che appartiene esclusivamente a quel momento. In questo senso, la musica dal vivo è una delle espressioni più autentiche di Kairos. Non semplicemente un intervallo di tempo occupato da un concerto, ma un tempo dilatato e ristretto, che acquista significato attraverso la presenza e l’ascolto.

Forse è anche per questo che, in un’epoca nella quale possiamo avere virtualmente qualsiasi musica a disposizione in qualsiasi momento, continuo a sentire così fortemente il valore del concerto. Essere presenti significa accettare l’unicità di ciò che accade: sapere che quella stessa musica potrà tornare, ma quel momento non tornerà.

KAIROS — Herbst Musicaux 2026
18 · 19 · 20 settembre 2026
Palazzo e Giardino Giusti, Verona

Our summer recital brought together a programme that wove stories, landscapes, and memories through music, creating a journey across different styles, cultures, and eras.

Among the works on the programme, Mendelssohn’s Lied ohne Worte, Op. 109, held a special place. Dedicated to the pioneering cellist Lise Cristiani, one of the earliest professional female cello virtuosos of the nineteenth century, it stands as a delicate tribute to both lyricism and artistic courage. Knowing the story behind this miniature gave an additional layer of meaning to its intimate and expressive character.

The programme also featured Astor Piazzolla’s Oblivion, originally composed for Marco Bellocchio’s 1984 film Enrico IV. Melancholic yet timeless, it has become one of Piazzolla’s most beloved works, reaching audiences far beyond the world of tango while preserving its unmistakable emotional intensity.

We are deeply grateful to everyone who joined us for this evening.

Bringing a complete Rebecca Clarke programme to the Gorgier Music Festival, in such an enchanting setting, was a truly meaningful experience for me.

Whenever I perform an entire programme devoted to Rebecca Clarke, I am reminded of the richness and originality of her musical voice.

One of the aims of the Rebecca Clarke Project is to contribute to bringing this extraordinary repertoire to a wider audience. I believe Clarke’s music deserves to be heard not only because of its historical significance, but above all because of its exceptional artistic value.

Thank you to my wonderful colleagues Ekaterina Valiulina, Raphaela Gromes and Angelica Antonini.

Photo credits Stefano Franchini / Gorgier Music Festival

From Murmann Magazine, December 2025

Musical Spaces of Freedom

Imagining new pathways: in her first solo CD “Fantasies,” Italian pianist Margherita Santi explores musical spaces of freedom between Mozart, Beethoven, Chopin, and Schumann. Born in Verona in 1994, the artist combines technical brilliance with curiosity and a clear drive for her own musical signature—audible in every track of this finely conceived album. In conversation, Santi explains how she reads “between the lines” of the score and shapes vibrant fantasy worlds from established forms. For her, the pieces gathered on this CD are windows into other worlds, carried by inner visions and an almost spiritual energy.

The young musician also continually seeks new challenges: Santi curates her own programs, founded a festival in Verona, and is currently developing a chamber music project dedicated to Rebecca Clarke—including a collaboration with a fashion designer who translates the aesthetic of the music into fabric. Anyone wishing to experience classical music as a living art form will find in “Fantasies” and in Santi’s projects an inspiring entry point into a modern, thoughtful world of pianism.

Margherita Santi | Piano

Fantasies

Mozart | Beethoven | Chopin | Schumann

hänssler Classic 2024

Musikalische Freiräume

Mit Fantasie auf neuen Wegen: Die italienische Pianistin Margherita Santi erkundet in ihrer ersten Solo-CD „Fantasies“ musikalische Freiräume zwischen Mozart, Beethoven, Chopin und Schumann. Die 1994 in Verona geborene Künstlerin verbindet dabei technische Brillanz mit Neugier und einem klaren Willen zur eigenen Handschrift – hörbar in jedem Track dieses fein konzipierten Albums. Im Gespräch erzählt Santi, wie sie „zwischen den Zeilen“ der Notentexte liest und aus festen Formen lebendige Fantasiewelten gestaltet. Für sie sind die auf dieser CD versammelten Stücke Fenster in andere Welten, getragen von inneren Visionen und einer fast spirituellen Energie. Dabei sucht die junge Musikerin immer wieder auch neue Herausforderungen: Santi kuratiert eigene Programme, gründete ein Festival in Verona und entwickelt derzeit ein Kammermusikprojekt zu Rebecca Clarke – inklusive Zusammenarbeit mit einer Modedesignerin, die die Ästhetik der Musik in Stoff übersetzt. Wer klassische Musik als lebendige Kunstform erleben will, findet in „Fantasies“ und in Santis Projekten einen inspirierenden Einstieg in eine moderne, kluge Pianistenwelt.

Margherita Santi | Piano
Fantaisies
Mozart | Beethoven | Chopin | Schumann
hänssler Classic 2024

https://murmann-magazin.de/work-and-play/2025/11/kulturtipps-im-dezember/

Mit Fantasie auf neuen Wegen: Die italienische Pianistin Margherita Santigilt als außergewöhnliche Entdeckerin musikalischer Freiräume zwischen Tradition und Innovation. Ihre erste Solo-CD „Fantasies“ zeigt, wie unterschiedlich Inspiration in den Werken von Mozart, Beethoven, Chopin und Schumann aufscheinen kann. Santi, Jahrgang 1994, steht für technische Brillanz, Neugier und den Willen zur persönlichen Handschrift. Im Gespräch mit Birgit Koß spricht sie über kreative Energie, die Suche nach künstlerischer Tiefe und den Mut, klassische Musik immer wieder neu zu denken.

Zwischen den Zeilen lesen

Feuilletonscout: Fantasie ist eine Grundlage der Kreativität und setzt viele Möglichkeiten frei. Wie wirkt sie sich auf das Klavierspiel aus – insbesondere im Bereich der Klassik, der ja durch feste Notentexte und die Intention der Komponisten geprägt ist? Gibt es da überhaupt Spielraum?
Margherita Santi: Ja, auf jeden Fall. Fantasie bedeutet für mich nicht, dass ich frei spiele, was ich will. Natürlich halte ich mich an die Noten. Aber Fantasie zeigt sich in der Art, wie ich interpretiere – wie ich zwischen den Zeilen lese, in die Ideen der Komponisten eintauche. Ich glaube, dass gerade die Stücke auf meiner CD von einer besonderen Inspirationskraft durchdrungen sind. Mozart, Beethoven, Chopin, Schumann – sie alle waren auf ihre Weise von etwas Größerem, einer inneren Vision getragen. Wenn man diese Musik hört, hat man oft das Gefühl, in eine andere Welt zu blicken.

Von Mozart bis Schumann

Margherita Santi: Ich sehe in den Werken auch eine Entwicklung: Bei Mozart ist vieles noch wie improvisiert – besonders seine Fantasie in d-Moll beginnt suchend, fast tastend. Ganz anders Beethoven, der in seiner „Mondscheinsonate“ zwar eine klare Form hat, aber mit dem ersten Satz damals völlig überraschte. Bei Chopin wiederum ist die Form seiner einzigen Fantasie offen, fragmentarisch – es gibt Kontraste, einen Choral, Episoden, die fast wie Träume auftauchen und verschwinden. Und dann Schumann – er malt in seinem „Faschingsschwank aus Wien“ förmlich Bilder mit Klängen. Da wird die Fantasie fast zur Bühne voller Charaktere.

Feuilletonscout: Kannst du diese Charaktere beschreiben, die in Schumanns „Faschingsschwank aus Wien“ auftauchen?
Margherita Santi: Sehr gern. Der erste Satz ist wie ein Festzug – marschartig, farbenfroh. Dann gibt es einen ruhigeren Abschnitt, der fast wie eine intime Reflexion wirkt, mit einer dichten Harmonik, die für mich wichtiger ist als jede Melodie. Das „Scherzino“ ist dagegen witzig und verspielt, aber auch voller Intelligenz – fast verschmitzt. Der vierte Satz ist leidenschaftlich und tief. Man spürt, dass Schumann in dieser Zeit sehr verliebt war – auch das fließt ein. Der Klang muss hier tief und mutig sein. Und dann das Finale: voller Virtuosität, ein einziger Befreiungsschlag – wie ein einziger Atemzug bis zum letzten Ton. Und zwischendrin entdecke ich immer wieder kleine Motive, fast wie Vogelrufe – hohe, helle Töne, die für mich etwas sehr Natürliches haben. Schumann hat sich ja auch viel mit Natur beschäftigt, zum Beispiel in seinen „Waldszenen“. Ich glaube, seine Musik ist voller Bezüge – auch zu seinen anderen Werken. Für mich ist es wichtig, ein Stück nicht isoliert zu sehen, sondern es im Zusammenhang mit Kammermusik, Konzerten und Liedern zu verstehen. Das gilt übrigens für alle Komponisten, die ich spiele.

Martherita Santi Fantasies Cover

Ein Album mit innerer Vision

Feuilletonscout: Du bist noch sehr jung – wie kam es zu deiner ersten CD? Wie lange hast du an diesem Projekt gearbeitet?
Margherita Santi: Die Idee ist über mehrere Jahre gewachsen. Ich wollte ein Album machen, das mehr ist als nur eine Sammlung schöner Stücke – etwas, das meine persönliche Sicht auf Musik widerspiegelt. Die Fantasie als Thema erschien mir perfekt, weil sie sowohl das Künstlerische als auch das Spirituelle anspricht. Ich glaube, dass Komponieren – und auch Interpretieren – eine Art Verbindung zu einer höheren Kraft sein kann. Manche nennen es Intuition, andere Inspiration oder Energie. Drei Jahre lang habe ich an der Idee gearbeitet, natürlich nicht ununterbrochen, aber sie war immer präsent. Und ja, es ist meine erste „richtige“ CD. Es gab zwar eine frühere Aufnahme, als ich noch sehr jung war, aber dieses Album ist mein erstes wirklich durchdachtes, künstlerisch konzipiertes Projekt. Es ist auch ein Spiegel meiner persönlichen Entwicklung in dieser Zeit.

Früh zur Musik gefunden

Feuilletonscout: Du hast sehr früh angefangen zu spielen – ein Wunderkind?
Margherita Santi: (lacht) Vielleicht. Es gibt keine Musiker in meiner Familie – ich war das schwarze Schaf, im positiven Sinne. Mit fünf Jahren wollten meine Eltern, dass ich ein Hobby finde – Tanz, Sport oder Musik. Ich habe mich für Klavier entschieden. Ganz zufällig kamen wir zu einer sehr renommierten Lehrerin. Sie war damals schon älter, aber sie hat mein Talent erkannt und mich zehn Jahre lang begleitet – bis zum Diplom mit 15 oder 16 Jahren. Erst später, mit 16 oder 17, begann ich, selbst Fragen zu stellen: Will ich wirklich Musikerin sein? Ich habe zwei Jahre in Moskau studiert, dann folgte eine Zeit der Unsicherheit. Ich war auf der Suche nach meinem eigenen Weg. Die Wendung kam durch ein Kammermusikprojekt. Ich war eingeladen, mit anderen Musikerinnen zusammenzuarbeiten – und das hat mich zurück zur Musik gebracht. Seitdem liebe ich sowohl das Solospiel als auch die Kammermusik.

Neue Wege mit Rebecca Clarke

Feuilletonscout: Könntest du dir vorstellen, ein eigenes Ensemble zu gründen?
Margherita Santi: Ein festes Ensemble habe ich nicht, aber ich arbeite regelmäßig mit verschiedenen Musikerinnen zusammen. Aktuell entsteht ein neues Kammermusikprojekt, das mir sehr am Herzen liegt. Es geht um die britisch-amerikanische Komponistin Rebecca Clarke. Wir nehmen ein Album mit ihren Werken auf – für Geige, Bratsche und Klavier. Ihre Musik ist sehr eigenständig, mit Einflüssen von Debussy, Ravel oder Franck, aber auch mit Elementen aus britischer Volksmusik. Sie war eine starke Frau, die sich in einer männerdominierten Welt behauptet hat – eine der ersten professionellen Bratschistinnen in einem Londoner Orchester.

Eigene Programme – eigenes Profil

Feuilletonscout: Das klingt nach einem sehr persönlichen Projekt. Ist das die Richtung, die dich generell interessiert – eigene Programme, eigene Kontexte statt reiner Reproduktion bekannter Werke?
Margherita Santi: Absolut. Ich glaube an individuelle Projekte – das ist auch meine Art, mit klassischer Musik umzugehen. Natürlich kann man Beethovens Sonaten spielen – das tue ich auch. Aber ich frage mich: Was kann ich neu erzählen? Welche Werke gehören für mich zusammen, wo entsteht ein neuer Blickwinkel? Ich habe vor acht Jahren ein Festival in Verona gegründet und arbeite auch als künstlerische Leiterin. Daher sehe ich Musik nicht nur aus der Perspektive der Pianistin. Es geht auch um die richtige Kommunikation. Wie bringe ich klassische Musik heute zum Publikum? Für mich heißt das: nicht oberflächlich oder effekthascherisch, aber zugänglich. Ich will keine Pop-Version der Mondscheinsonate – aber ich will, dass Menschen spüren, wie tief diese Musik ist. Und dafür braucht es manchmal ein neues „Kleid“, wie ich es nenne – einen neuen Rahmen.

Wenn Mode Musik begegnet

Feuilletonscout: Und dazu gehört auch Mode? Du hast für das Rebecca-Clarke-Projekt mit einer Designerin zusammengearbeitet.
Margherita Santi: Ja, genau. Wir haben für das CD-Cover mit der Modedesignerin Miljana Jankovic aus Kopenhagen gearbeitet. Sie hat Kleider entworfen, die die Stimmung und Ästhetik der Musik spiegeln – modern, aber mit traditionellen Elementen, handgemacht, fast folkloristisch. Diese Verbindung von Musik und visueller Kunst fand ich sehr spannend. Es geht nicht darum, hübsch auszusehen, sondern eine zusätzliche Ebene der Interpretation zu schaffen. Vielleicht tragen wir diese Kleider auch bei Konzerten – wir überlegen das noch. Jedenfalls soll es keine bloße Show sein, sondern ein sinnvolles Zusammenspiel von Ausdrucksformen. Ich glaube, das kann Menschen auch auf einer anderen Ebene erreichen.

Kreativität ohne Pause

Feuilletonscout: Also gehen dir die Ideen nicht aus?
Margherita Santi: Ganz im Gegenteil – ich habe viel zu viele Ideen und zu wenig Zeit! Aber das ist auch schön. Ich liebe diese kreative Energie, und ich hoffe, sie bleibt mir noch lange erhalten.

Since Rebecca Clarke’s Viola Sonata entered the twentieth-century repertoire it’s enjoyed many fine and very divergent recordings. This latest version from the youthful Italian team of Giulia Panchieri (viola) and Margherita Santi (piano) exemplifies a trend for stable tempi that ensure the work takes around 22-23 minutes, as do, to take a couple at random, the pairings of Tabea Zimmermann and Kirill Gerstein on Myrios Classics and Judith Ingolfsson and Vladimir Stoupel on Oehms. This sensible approach, therefore, avoids the extremes of Matthew Jones (20:30) and Philip Dukes (27 minutes), both of them on Naxos. I mention this only to suggest that the sonata has encouraged a gratifyingly wide range of interpretive stances though also to imply my preference.

As well as their pragmatic tempi, the Italian pairing evoke the impressionistic as well as the declamatory elements of the Sonata very well. Santi’s piano chording is evocative and Panchieri’s tone is well-centred and capable of folkloric extension in the sonata’s pastoral moments. Rightly they take the central Scherzo at a vivid tempo, their ensemble is solid and they bring a fluid approach to the finale, etching its episodes with youthful verve, whether in the opening Adagio or in the vitality of the Allegro. I’m not shifting my allegiance from the Zimmermann-Gerstein team but this is a welcome addition to the discography.

The album is devoted to the music for violin, viola and piano so contains a number of smaller pieces from two main periods of her compositional life – 1913-24 and 1941-44. It was probably her focus on chamber music – she was a leading violist and made a recording as such in the 1920s – and on song composition that led her away from writing orchestral music but what she wrote has great distinction. There’s the evocative Lullaby for violin, played with warmth by Ekaterina Valiulina and the quietly melancholic Lullaby (arrangement of an ancient Irish Tune) for the viola. The sliver of a Chinese Puzzle explores the vogue for chinoiserie and Midsummer Moon exudes Vaughan Williams-like flourishes.

The works from the 1940s date from her emigration to America. The Passacaglia on an Old English Tune is noble and elevated whilst the lovely I’ll Bid My Heart Be Still is as moving as ever and, as here, all the better when not played too quickly. The three musicians finally come together in the Trio Dumka, a lively, colourful work that explores the dumka without undue seriousness but ends quietly and a touch withdrawn. Given the date of composition I’ve always wondered whether it was intended as a tribute to Dvořák, the centenary of whose birth fell that year.

This is an attractive contribution to Clarke’s increasing representation on disc. If the recording quality is rather too up-front for my tastes, the performances provide sensitivity and athleticism. Individual allegiances may lie elsewhere (Tabea Zimmermann for the Sonata, Lorraine McAslan for the violin works) but this will make a good and relatively inexpensive entrée for those unfamiliar with her work.

Jonathan Woolf